Weihnachten abgeräumt

abgeräumter Weihnachtsbaum
Bildrechte: Michael Becker
Der andere Weg

So sieht es bald wieder aus: Weihnachten wird abgeräumt. Manche beginnen damit direkt nach dem Fest; andere warten bis Neujahr, am 6. Januar ist dann aber wirklich Schluss. Der Baum nadelt, die Seele will Neues. Weihnachten war es lange genug, in Geschäften und Warenhäusern gefühlt seit Anfang November. Das reicht. Bald steht Karneval vor der Tür.

Festliche Tage und Zeiten hält man nur begrenzt aus. Dann sehnt man sich nach Alltäglichem, nach anderen Stimmungen und anderem Schmuck. Oder eben nach keinem Schmuck mehr. Schließlich ist man guter Hoffnung, dass es in spätestens elf Monaten wieder Weihnachten wird. Bald nach dem Sommer beginnt die Vorfreude.

Aber was nehmen wir nun mit aus der festlichen Zeit? Wird der Alltag anders nach Weihnachten?

 

Er könnte es, wenn wir wollen. Alle, die damals in Bethlehem Weihnachten feierten, mussten ja irgendwann zurück in ihre Alltäglichkeit: die Heilige Familie, die Hirten und Könige – selbst die Engel mussten sich wohl ein wenig erholen von der Anstrengung, ein himmlischer Chor zu sein. Die Könige machten es auf besondere Weise. Weil sie der Gewalt des Königs Herodes entgehen wollten, „zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land“.

Das könnten wir als Fingerzeig verstehen. Wir suchen andere Wege. Wir lassen uns Weihnachten eine kleine Lehre sein und suchen den Weg, den Jesus immer suchte: den Weg der Liebe. Wir lassen uns nicht hinreißen zu Bösartigkeiten – welcher Art auch immer. Wir leben Liebe.

 

Das klingt sehr erhaben, ist aber nicht so gemeint. Gemeint ist: Es muss mehr geben als die Wege, die uns eher vertraut sind. Es muss mehr geben als die alltäglichen Streitereien und gelegentlichen Bösartigkeiten. Der andere Weg beginnt immer mit einem: ‚Ich will das nicht mehr; ich lasse mich da nicht mehr hineinziehen, ich gehe dem jetzt aus dem Weg.‘ Im besten Fall heißt es dann wie bei den Königen: ‚Ich gehe einen anderen Weg; ich suche nach Möglichkeiten zu lieben.‘

Ich halte das für eine vornehme Aufgabe nach Weihnachten; vornehm für unser Leben. Was in meinen Alltäglichkeiten kann ich anders machen – anders im Sinne des Heilands. Was in meiner Umgebung kann ich jetzt schon anders machen, vielleicht neu beginnen? Es muss doch einen anderen Geist geben als den der Streitereien und des Aufrechnens? Ich will es mit Sanftmut versuchen – und bitte den Heiland, mir beizustehen. Den Versuch ist es wert.