Vom Liebhaben träumen - Gedanken für dich

 

© Bulls Pressedienst, Frankfurt a. M.

1.

Was für ein herrliches, lustiges und schreckliches Bild. Niemand will, dass das Leben so ist; und doch ist es oft so.

Einer träumt von etwas, was sein Leben wertvoll macht – jemand anderes lacht ihn dafür aus. Und, mehr noch: Hier bricht jemand sein Versprechen. Charlie wollte sich mit seinem Traum anvertrauen, wollte ihn mal aussprechen; der Traum sollte nicht nur bei ihm selbst bleiben, sondern einen kleinen Schritt in die Wirklichkeit machen, damit er sich erfüllen kann. Und dann setzt es aber so richtig Spott und Hohn.

Das Bild hat viel Schrecken, aber lustig ist es auf den ersten Blick leider auch – vor allem der Schreckenssalto, den Charlie am Ende machen muss.

2.

Dieses Bild hat einer gezeichnet, der uns einen Spiegel vorhalten will. Was hier passiert, darf nicht sein. Auf keinen Fall. Natürlich darf man sein gerade gegebenes Versprechen, sogar feierliches Versprechen, nicht brechen. Zugleich darf man einen Menschen nie auslachen, der vom Liebhaben träumt. Außer Überheblichkeit hat Lucy keinen Grund zu lachen. Vielleicht meint sie, es ginge ihr besser im Leben – da irrt sie sich aber. Wer die Geschichten der „Peanuts“ kennt, weiß, dass Lucy zwar ein großes Mundwerk hat, aber nicht sonderlich beliebt ist. Auch sie träumt von ihrer großen Liebe zu einem blonden Klavierspieler namens Schröder, der aber mit Lucy nichts anfangen kann.

Lucy sollte also lieber ihren Mund nicht so voll nehmen.

3.

Was Charlie hier träumt, träumen viele Menschen auf der Welt – auch vollmundige Menschen wie Lucy. Sogar Jesus hat davon geträumt. Als er damals, nach Ostern, für eine kleine Weile seine Jünger trifft (Joh 21,16), fragt er Petrus: Hast du mich lieb? Petrus lacht nicht, sondern versteht den Ernst der Stunde und den tiefen Wunsch Jesu. Darum sagt er: Ja, ich habe dich lieb. Alle Menschen brauchen das Gefühl, geliebt zu werden. Es macht uns kräftiger im Leben.

Natürlich kann man nicht alle Menschen lieb haben. Aber auslachen muss man sie nicht. Wir tun uns gegenseitig etwas Gutes, wenn wir unsere Wünsche ernst nehmen. Und unsere Sehnsucht auch. Darum möchte ich euch am Schluss nur bitten: Lacht einander nicht aus, spottet nicht über das Liebhaben. Nehmt euch ab und zu Zeit für Gedanke wie: „Wen habe ich lieb? Wer ist mir wichtig?“ und „Was sind meine liebenswerten Seiten? Könnte ich mir da noch ein paar mehr zulegen?

Denn eines ist klar: Liebhaben macht unser Leben reich.