Die Verzauberung der Welt

Original Außenkulisse von Lummerland im Filmpark Babelsberg
Bildrechte: Inugami-bargho - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

1.

Manchmal muss man die Welt einfach verzaubern. Wie zum Beispiel die Stadt Augsburg. Die hat sich etwas Wunderbares einfallen lassen. Es gibt da ein Neubaugebiet, gerade für junge Familien, das braucht auch Straßennamen. Da beschließt die Stadt, Straßen nach Stücken der Augsburger Puppenkiste zu benennen. Es gibt dort bald eine „Jim-Knopf-Str.“, einen „Lukasweg“ und natürlich auch einen „Emmaweg“ wegen der Lokomotive. All das sind Namen aus dem Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“, von Michael Ende (1929–1995). Von ihm sind auch die Romane „Momo“ und „Die unendliche Geschichte.

Das Kinderbuch von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, wird in diesem Jahr sechzig Jahre alt und wurde richtig berühmt durch die Verfilmung mit der Augsburger Puppenkiste – und die Stadt Augsburg hat jetzt einen Zauber mehr.

2.

Da stelle ich mir natürlich gleich vor, ich wohnte in der „Jim-Knopf-Str.“ oder der „Lummerlandstr.“ und müsste immer lächeln, wenn ich das jemandem sage oder schreibe. Oder jemand schreibt mir und lächelt, weil er sich an die Insel mit den zwei Bergen erinnert und an die Figuren mit ihren Abenteuern und der großen Menschlichkeit. Oder wir erinnern uns an den oft etwas gelangweilten, aber gütigen König „Alfons der Viertel-vor-Zwölfte“, geboren einst um Viertel vor Zwölf, der nur zwei Untertanen hat und die auch gelegentlich mit seinem goldenen Telefon anruft oder ihnen zuwinkt. Sonntags schenkt er ihnen ein Eis.

3.

Wir brauchen solchen Zauber. Etwas Glitzer in der Welt. Es wird ja viel über Geld gesprochen und über manches Elend. Es ist auch wichtig, dass die Nachrichten uns darüber ins Bild setzen. Aber dann kommen Momente, in denen es auch andere Bilder geben muss, in denen es einen Zauber und reiche Fantasie geben muss: ein schöner Film; das Lieblingslied, viele Male hintereinander gehört oder ein Buch über Menschlichkeit und Liebe. Etwas, das uns zu Tränen rührt. Zu Freudentränen.

Da geht das Herz auf. Das muss es auch. Das Herz soll uns manchmal aufgehen vor Wärme und Fürsorge. Ihr seid das Licht der Welt, sagt Jesus (Matthäus 5,13+14); und: Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid Würze und Licht in der Welt; nicht immer – aber ihr könnt es sein als von Gott behütete Menschenkinder. Man muss ja nicht immer nachtragend sein oder viel jammern oder nur aschgrau dreinblicken. Es geht auch gütig.

Wer manchmal in sich geht und sich selber einen kleinen Spiegel vorhält, könnte spüren: Vieles geht womöglich auch etwas gütiger. Wir können ein wenig leuchten und die Welt verzaubern. Mit ganz viel Herz.

Michael Becker

Und für alle Lummerland-Fans geht es hier zum Lied https://www.youtube.com/watch?v=xpSlht21WI4